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Das Extra für Sie

Gern gesehen

Gern gesehen (72).jpg

Andere Länder ...

Eine Frau aus Brasilien,
von den Fußknöcheln bis zum Hals in ihr Handtuch eingewickelt, schaut irritiert auf, als ein Mann die Sauna betritt: »Bei uns in Brasilien gibt es eigentlich keine gemischten Saunas.« »Seltsam«, antwortet der, »und ich dachte, ganz Brasilien sei eine gemischte Sauna.«

Randnotizen

Prächtige Ringstraße
Die Ringstraße wurde vor über 150 Jahren eröffnet. Das größte städtebauliche Projekt Wiens markiert den Wandel von der feudalen Residenz zur europäischen Großstadt. Heute finden auf dem früheren Militärgelände und in den Gebäuden und Plätzen entlang des Boulevards Großveranstaltungen statt.

Einweg im Grand Canyon
Der Verkauf von Einwegflaschen im Grand Canyon National Park wird eingestellt. Der National Park Service richtet Wasserstationen ein, an denen Besucher kostenlos ihre Wasserbehälter auffüllen können. Leere Trinkflaschen machen 20 Prozent des gesamten Abfallvolumens im Grand Canyon National Park aus.


Die Marotten der Welt – ein Reiseführer

"Immer diese Vorurteile!" und "Wie Deutsch sind die Deutschen?" Ein politisch korrekter Mensch hat keine Vorurteile – niemals. So schreiben die Stuttgarter Nachrichten. Ein politisch korrekter Mensch hat nur eine sehr klare Vorstellung davon, wie andere Nationen "so" ticken. Wie sehr diese Vorstellung mit der Realität übereinstimmt, beleuchten Korrespondenten, die seit Jahren in der Fremde leben und arbeiten. Sie wissen übrigens auch, was ihre Gastgeber über uns Deutsche denken.


Schweden - Schweden

... zahlen gerne Steuern, schonen die Umwelt, halten Tempolimits ein
All das stimmt tatsächlich. In Schweden etwa gewannen die Sozialdemokraten unzählige Wahlen, indem sie hohe Steuersätze und damit Wohltaten für Soziales und Bildung ankündigten. Vor vier Jahren verstanden dann endlich auch die Bürgerlichen den Trick. Als „wahre Arbeiterpartei“ versprachen sie das Gleiche nur eben etwas knackiger und, zack, kamen sie an der Macht.

... ertragen soviel Vorbildhaftigkeit auch selbst kaum und trinken deshalb exzessiv Alkohol
Zwar fühlen sich Skandinavier allen anderen Nationen überlegen, doch trotz aller Gerechtigkeit und Umverteilung sind die Skandinavier zu einem Leben in Dunkelheit, Kälte und Schnee verdammt. Das ist der wahre Grund für die ungewöhnlich verbreitete Trinksucht.

... sind sind alle blond und sehen gut aus Man darf es nicht zu laut sagen, aber die meisten Skandinavier sind tatsächlich blond und haben blaue Augen, auch wenn sie selbst es abstreiten. Dass sie besser aussehen als andere, finden sie hingegen auch. Vor allem, wenn sie gerade aus dem Ausland zurückkommen.

... haben Italien als weltweit geschmacksbildend in Design und Mode abgelöst
Das stimmt höchstens beim Möbeldesign (Ikea). Der Siegeszug der Skandinavier in der Mode findet vor allem im deutschspra chigen Raum statt. H&M und andere schwedische und dänische Modehäuser tragen zwar die Botschaft von einfachen, aber eleganten Kleidern mit schmaler Silhouette in die Welt. Echtes Ansehen bleibt ihnen aber versagt. Im Norden wird gut kopiert, aber ohne eigene Note, meinen Kritiker – zu Unrecht.

... und sind trotzdem etwas langweilig
In der Tat sind sie etwas langweiliger – vielleicht mit Ausnahme der Dänen. Was der Zugereiste anfänglich für eine schüchterne und sympathische Bescheidenheit hält, kann sich als gewisse Leere entpuppen. Obwohl alle dank Wohlfahrt und Chancengleichheit eine akademische Sprache sprechen, Abitur machen und stets ein kluges Äußeres wahren, kennt man vor allem die Titel guter Bücher – liest sie aber nie.

Und was denken Skandinavier über Deutsche?

Deutsche Touristen in Südeuropa werden von Schweden als schlecht gekleidete, aufdringliche Rüpel angesehen, die am Strand vor allen anderen ihre Handtücher an den besten Plätzen auslegen. Sommerhäuser in Schweden vermietet man aber gerne an die zuverlässigen Deutschen.

Obwohl Berlin gerade bei jungen Skandinaviern immer populärer wird – das positive Image färbt nur langsam auf das ganze Land ab. Deutsche sind Technokraten, die gute Autobahnen bauen, auf denen junge Schwedinnen rasch in den Süden gelangen, wo sie sich für ihre blonden Haare bewundern lassen können.

Deutsche sind irgendwie nicht exotisch genug, langweilig und blass. Wie die Skandinavier, nur mit krummeren und größeren Nasen. Als zweite Fremdsprache wird deshalb an den Schulen lieber Französisch oder Spanisch gewählt. Aus dem Deutschen haben die Schweden aber immerhin das Wort „Besserwisser“ übernommen.

André Anwar, Stockholm


Spanien - Spanier

... sind stolz (worauf eigentlich?)
Zuerst einmal auf die Weltmeisterschaft im Fußball. Das hebt das nationale Selbstbewusstsein, das durch die Wirtschaftskrise und der ständigen Gleichsetzung mit dem kaputten Griechenland gelitten hatte. Ganz allgemein zeigen Spanier immer dann Stolz, wenn ein Fremder etwas Spanisches kritisiert. Auch wenn sie selber darauf schimpfen.

... sind temperamentvoll
Ein unausrottbares Vorurteil, weil man in Deutschland alle Spanier immer gleich für Andalusier hält. Die sind wirklich heißblütig. Das Temperament der Mittel- und Nord-spanier ist eher gedämpft. So haben Regierungschef Zapatero aus León oder Oppositionschef Rajoy aus Galicien das Temperament eines Heidschnucken-Schäfers aus der Lüneburger Heide.

... sind nachtaktiv
Was bleibt im Sommer anderes übrig? Die heißeste Zeit am Tag ist nachmittags ab fünf. Da schläft man eben seine Siesta und lebt am kühleren Abend richtig auf. Mit der ganzen Familie. Deshalb isst man auch erst zwischen neun und zehn zu Abend. Filmpremieren oder Preisverleihungen beginnen oft erst um Mitternacht. Gearbeitet wird bis 20 Uhr.

... sind anfällig für alle Arten des politischen Extremismus
Ein dummes Vorurteil, das sich seit der Franco-Zeit hält. Spanische Parlamentswahlen wer-den in der Mitte gewonnen, mal ein bisschen rechts, meist ein bisschen links davon. Im Bas-kenland haben die Menschen die Nase voll von den Eta-Terroristen. In Katalonien gibt man sich extrem nationalistisch, aber dabei geht es mehr um die uralte Rivalität zwischen Barcelona und Madrid.

... halten Stierkampf für Kultur
Stierkampf spaltet Spanien in zwei Lager. Für die Menschen in Zentralspanien und im südlichen Andalusien ist eine Fiesta ohne Stierkampf nicht vorstellbar. In Barcelona und Katalonien will man ihn abschaffen. Mehr, weil man sich damit als nichtspanisch und eigenständig ausweist, als aus Mitleid mit den Stieren. Spricht man in Spanien von Kultur, ist übrigens oft nur Tradition gemeint

Und was denken Spanier über Deutsche?

Fleißig, pünktlich bis zum Erschrecken, laut – vor allem nach ein paar Bier – rechthaberisch und oft überheblich. Die typische Deutsche: elegant und teuer angezogen, von ihrem Mann unterdrückt, immer blond und viel zu streng gegenüber Kindern.

Das Deutschenbild hat sich deutlich gebessert, seit es den Euro gibt und deutsche Touristen nicht mehr im Strandcafé mit D-Mark-Scheinen herumwedeln können.

Günther Bading, Madrid


Österreich - Österreicherer

... sind gemütlich bis hinterwäldlerisch
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? In unserem steirischen Ort spricht die mittlere Generation gut Englisch. Montags trifft man sie am Flughafen Graz, wo sie nach Bombay oder Sao Paolo einchecken, um dort Software-Lösungen oder Schaltpläne zu verkaufen. Zum Feuerwehrfest am Samstag sind sie alle wieder da. Denn ohne sie keine Blaskapelle.

... lieben den Tod mehr als das Leben
Ein uraltes Klischee. Dafür sprechen: die perlenbesetzten Märtyrerknochen in den Barockkirchen, das prunkvolle Haider-Begräbnis, die hohe Selbstmordrate. Dagegen spricht: die (manchmal eine Spur zu demonstrative) Lebensfreude. In Wirklichkeit sehnt sich der durchschnittliche Österreicher wohl nicht nach dem Tod. Eher nach dem Tag des Rentenantritts.

... können alle prima Ski fahren
Die Statistik sagt: Nein. Nicht einmal jeder zweite Österreicher hat je auf zwei Brettln gestanden. Tendenz: abnehmend. Skifahren ist nämlich teuer. Was sie aber alle können, ist Skifahren schauen im TV. Das ist so billig wie das deutsche Fussballgucken. Nur dass beim Fussball auch das Selberspielen nicht so teuer wäre.

... leiden an einer Titelsucht
Ja, die Titelei nervt. Für den Österreicher ist die Welt eine große Behörde mit lauter Vorgesetzten und Untergebenen. Man muss immer wissen, ob man eine Frau Magister oder einen Herrn Diplomkaufmann vor sich hat. Wo man das nicht weiß – wie morgens beim Brötchenholen –, herrscht Chaos. Mangels Rangabzeichen weiß man nie, wer gerade dran ist.

... sind Bürokraten
„Österreich, das ist Absolutismus, gemildert durch Schlamperei”, hat der große Wiener Victor Adler einmal gesagt. Die Behördenwillkür ist einzigartig. Aber man kommt dran vorbei – über den Cousin, den Herrn Bezirksvorsteher oder mit einer charmanten Bemerkung. Österreich, würde ein Preuß sagen, ist Absolutismus, verschlimmert durch Korruption.

Und was denken Österreicher über Deutsche?

Deutsche sind „krass“, immer etwas zu laut und zu deutlich. Sie machen Wind und halten sich viel auf ihre Genauigkeit zugute, schaffen aber auch nicht mehr. Wenn sie etwas wollen, schauen sie nicht nach rechts und links. Aber ausdrücken können sie sich, hört man oft bewundernd: „Bei euch reden die Fußballer im Fernsehen besser als bei uns die Politiker.“

Norbert Mappes-Niedek, Graz


Italien - Italiener

... sind eitle, wehleidige Nesthocker
Rund 35 Prozent aller unter 30-Jährigen wohnen bei Mamma und Papa, viele, weil das ungemein bequem ist. Aber die Mehrheit der so genannten „mammoni“ (Muttersöhnchen) hat einfach keinen Job und kein Geld. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei zirka 50 Prozent.

... sind Improvisationskünstler
Ja, das sind sie! Wenn offizielle Ereignisse anstehen, klappt in der Vorbereitung so gut wie nichts. Doch wenn es soweit ist, funktioniert alles perfekt. Da klebt dann sogar, wie einmal bei einem G-8-Gipfel, Regierungschef Berlusconi höchstpersönlich zusätzliche Zitronen an dekora-tive Zitronenbäumchen, damit alles noch schöner aussieht.

... sind korruptionsanfällig
Seit einiger Zeit werden immer mehr Korruptionsfälle aufgedeckt. Es geht schon lange nicht mehr nur um Schmiergelder oder illegale Parteienfinanzierung. Heerscharen von Staatsanwälten ermitteln gegen Regierungsmitglieder, weil sie mit Mafiabossen kungeln, weil sie kriminelle Banden gründen, mit Bauunternehmern unter einer Decke stecken, um Staatsgelder in ihre eigenen Taschen zu lenken.

... sind kinderlieb
Ja, oberflächlich besehen. Aber Kinder dürfen sich nicht schmutzig machen, es gibt nur wenig Spielplätze und ganz generell werden sie wie kleine Erwachsene vorgeführt. Es gibt kein Kindergeld und viel zu wenig Kindergartenplätze.

... und gucken den ganzen Tag furchtbare TV-Shows
Rund 60 Prozent aller Italiener schauen regelmäßig TV-Shows. Meist dümmliche Sendungen mit jungen sexy Frauen, die halbnackt moderieren und herumtanzen. Kritische Themen werden möglichst ausgeblendet. Es geht darum, ganz im Sinn des Regierungschefs und Medienuntermehmers Berlusconi, nur Positives auszustrahlen.

Und was denken Italiener über Deutsche?

Deutsche sind in den Augen der Italiener nach wie vor fleißig, ordentlich und vertrauenswürdig. Leider aber auch fantasielos, denn sie wollen immer alles ganz genau wissen und planen. Umfragen zufolge bewundern viele Italiener Kanzlerin Merkel und würden sich freuen, wenn sie anstelle von Berlusconi regieren würde. Einerseits. Andererseits: Eine Frau, die sich so kleidet – nein, für Italiener ist es unvorstellbar, dass mächtige Menschen nicht elegant auftreten (oder was Italiener dafür halten).

Die Italiener bewundern auch, dass deutsche Politiker anscheinend weniger korrupt sind. Da aber viele Italiener Dreck am Stecken haben, würde sie doch lieber nicht in Deutschland leben wollen, wo man ihnen genauer auf die Finger schaut als in Rom oder Neapel.

Thomas Migge, Rom


USA - US-Amerikaner

... sind freundlich, aber oberflächlich
Und wenn schon? Wer will schon jeder Zufallsbekanntschaft sein Herz ausschütten? „Hi, how are you?“ – das kommt so nett daher, dass nur notorische europäische Miesepeter ame-rikanische Freundlichkeit abschätzig als Oberflächlichkeit denunzieren. Sich lächelnd „Guten Tag“ zu sagen, verpflichtet zu nichts, kann aber der Anfang sein für mehr.

... sind Waffennarren
Mit der Knarre in den Supermarkt – das ist auch hier nicht die Regel. Längst nicht jeder ist Mitglied in der National Rifle Association. Kulturell tief verankert ist trotz allem die Liebe zur Waffe, ein Reflex der Pionierzeit. Uns mag das entsetzen. Dass wiederum Deutsche das Recht haben, sich auf ihren Autobahnen um Kopf und Kragen zu rasen, schockiert die Amis.

... sind nationalistisch
Ein Fähnchen zum Nationalfeiertag am 4. Juli steckte auch in unserem Vorgärtchen. Ein freundlicher Nachbar hatte sich die Mühe gemacht. Amis sind stolz auf ihr Land. Von Na-tionalismus ist das weit entfernt. Glühende Patrioten ja, arrogante Chauvinisten nein.

... sind dumm und kulturlos
Kein Goethe, kein Schiller. Dafür aber Hollywood, Blues und Soul, Toni Morrisson und John Updike – Trendsetter sind die USA bis heute. Dass sich dies in den Weiten Iowas und den Wäldern West-Virginias nicht auf Anhieb widerspiegelt, sollte nicht überraschen. Be-grenzte Horizonte gibt es auch anderswo.

... dick
Wohl wahr. Dick sein ist ein Armutsmerkmal. Wer es sich leisten kann, macht einen Bogen um die Fastfood-Buden. Nie, selbst nicht in Paris, haben wir mehr schlanke Menschen gesehen als in den weißen Mittelschichts-Vorstädten an der US-Ostküste. Dort joggt man früh um 5. Andere stehen dann schon Schlange für einen Tagesjob.

Und was denken US-Amnerikaner über Deutsche?

„Don’t be so german“, sei nicht so deutsch – ab und an bekommt man das zu hören. Deutsche neigen dazu, gedanklich tief zu schürfen. Im pragmatischen Amerika sind das zu vermeidende Zeitverluste. Geschätzt werden wir dennoch, für solide Autos und die Kunst, ein gutes Bier zu brauen. „Mörkel“ kennen nur wenige, Hitler aber alle. Das war’s dann aber auch schon.

Joachim Rogge, Washington


Niederlande - Niederländer

... fahren mit dem Wohnwagen über deutsche Autobahnen
Zugegeben: Tatsächlich kurven in diesen Wochen wie in jeden Sommer eine stattliche Zahl gelber Nummernschilder durch Schwarzwald oder Sauerland. Allerdings baumelt keineswegs hinter allen ein bewohnbarer Anhänger. Das beliebteste Campingziel der Niederländer bleibt zudem immer noch Frankreich.

... rauchen alle Haschisch
Das ist ausgewiesener Humbug. Viele bevorzugen Marihuana, und noch mehr rauchen gar keine Cannabisprodukte. Dass die liberale Drogenpolitik umstritten ist, liegt nicht zuletzt an Problemen mit Drogentouristen. Neben Belgien und Frankreich kommen diese vor allem aus Deutschland.

... können prima Fußball spielen, werden aber trotzdem nie Weltmeister
Unbestritten ist, dass die Niederlande als erstes Land drei WM-Finale erreichte und alle verlor. Dass dies meist in vollendeter Schönheit geschah, machte Oranje zur Lieblingsprojektionsfläche ausländischer Fußballmelancholiker.

... finden Deutsche nicht nur deshalb primitiv und angsteinflößend
Nicht allein der Fußball ist schuld. Moffen nannte man die Nachbarn. Das Wort kannten schon die Brüder Grimm. Kommt wohl von „muffig“. Später wurde es durch die Besatzung im Zweiten Weltkrieg und durch Strandgäste geprägt, die im Café in Zeeland auf deutsch bestellten. Tourist: „Ich krieg ’ne Cola!“ Kellner: „Krieg ist vorbei!“

... sind aber die besseren Deutschen, was effiziente Organisation angeht
Um ein entsprechendes Image bemüht man sich nach Kräften. Die Phrase „deutliche Absprachen machen“ ist sehr beliebt. Von ihrem inflationären Gebrauch sollten sich Ausländer aber nicht einschüchtern lassen – es bleibt oft genug beim Vorsatz. Anders sieht es mit Pünktlichkeit aus. Und mit der Essenszeit, der „etenstijd“: Gegessen wird um halb sieben.

Und was denken Niederländer über Deutsche?

In den letzten Jahren hat sich das Verhältnis entspannt. Vielfach bewundert man deutschen Ordnungssinn und Organisationstalent. Doch auch das neue, weltoffene Image, mit der WM 2006 lanciert, zieht bei Niederländern. Deutschlandbesucher schwärmen nun von freundlichen Gastgebern – und von Berlin. Gerade die Hauptstadt erlebt im Nachbarland einen Hype.

Tobias Müller, Amsterdam


England - Engländer

... sind entweder Fußballprolls oder verklemmte Reihenhausbewohner
Ethanol und Fußball sind nicht nur für englische Fans ein brisantes Gemisch. Bei ihnen ist die Wandlung allerdings am dramatischsten, sind sie doch im Alltag Europameister der Zurückhal-tung. Ein Reihenhaus gehört in der Tat dazu: Die Immobilie ist Altersvorsorge und Pflicht in ei-nem Land, in dem die staatliche Einheitsrente auf Hartz-IV-Niveau liegt.

... sind höflich
Stimmt. Engländer sind peinlich genau darauf bedacht, anderen nicht zu nahe zu treten. Be-schwerden sind ihnen ebenfalls unangenehm, weshalb sie bevorzugt als Entschuldigung vorgetra-gen werden („Entschuldigen Sie, aber könnte es unter Umständen sein, dass Sie irrtümlich auf meinem Fuß stehen ?“).

... hassen den Kontinent und trauern dem Empire nach
Das Empire interessiert niemanden mehr. Kaum jemand kann Ihnen auf der Insel erklären, was es überhaupt mit dem Commonwealth, jener lockeren Familie aus Ex-Kolonien, auf sich hat. Man ist sich selbst genug – gepflegtes Desinteresse macht die Haltung zum Kontinent aus. Nur Brüssel gilt als ausgemachter Feind.

... können immer noch nicht kochen
Eine Tüte Kartoffelchips zum Frühstück in der U-Bahn und pappiges Brot zum Tee, so sieht der kulinarische Alltag aus. Ein Kaufhaus will sogar Messer aus dem Sortiment nehmen, weil sie we-gen der allseits beliebten Fertiggerichte nicht mehr gekauft werden.

... trinken als Teenager exzessiv, prügeln sich und haben sehr früh Sex
Erstens: Engländer haben keinen Sex, sie haben Wärmflaschen. Zweitens: Sie bekommen in Eng-land eher ein unmoralisches Angebot als eine Einladung zum Essen. Flirtversuche im öffentlichen Raum sind tabu. Es gibt nur eine Ausnahme: Im Pub dürfen Fremde angesprochen werden. Jeder dritte Brite gibt an, seinen Partner in der Kneipe kennen gelernt zu haben. Scheint ganz so, als würden wilde Teenager alles richtig machen.

Und was denken Engländer über die Deutschen?

Wirtschaftlich stark, gut in der Ausbildung und beim Umweltschutz – so sehen laut einer repräsentativen Studie die Briten die Deutschen. Je höher das Einkommen, desto positiver ist ihr Deutschlandbild. Gerade junge Briten finden Deutschland allerdings wenig sympathisch: nicht umgänglich, abweisend, herrisch und rechthaberisch. Eine nichtrepräsentative Umfrage im Freundeskreis ergab: Briten schätzen in Deutschland die sauberen Städte und die pünktliche Deutsche Bahn (!).

Deutsche arbeiten viel und lachen wenig, fahren keine Panzer mehr, gehen aber nackt an den FKK-Strand und essen am liebsten eineWurst. Bierkonsum und Stilfragen (Stichwort: Sandalen mit Socken) gelten in Großbritannien nichtmehr als rein deutsche Makel: „Da sind sich beide Länder ähnlich.“

Jasmin Fischer, London


Türkei - Türken

... halten sich für die Größten – beim Fußball, in der Politik, einfach überall
Wenn man vor Spielen der türkischen Fußballnationalmannschaft die Zeitungen liest, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Spieler auch einbeinig antreten könnten, so sicher scheint ihnen der Sieg zu sein. Das Trommeln der türkischen Medien wird allerdings von den Normalbürgern nicht allzu ernst genommen: Zumindest im Fußball können viele von ihnen realistisch einschätzen, wie es wirklich um ihr Land bestellt ist.

... und zeigen damit einen tief sitzenden Minderwertigkeitskomplex
Einige türkische Nationalisten sind der Meinung, dass halb Europa tagtäglich nichts Besseres zu tun hat, als an Plänen zur Schwächung der Türkei zu feilen. Allerdings schwindet das Gefühl der Schwäche und die Dauer-Angst vor dem Ausland seit einigen Jahren. Der Wirtschaftsaufschwung und die stärkere politische Rolle ihres Landes auf der Weltbühne hat den Türken ein neues Selbstwertgefühl gegeben.

... grillen ausschließlich im Verbund der Großfamilie
Anders als in Deutschland sind bei vielen Türken die großfamiliären Bande noch intakt. Es würde kaum einem Normaltürken einfallen, bei einem Grillausflug ins Grüne die Oma oder die Enkel oder den Neffen zu Hause zu lassen.

 ... unterdrücken ihre Frauen
Vor dem Gesetz sind Frauen und Männer in der Türkei gleich, doch in der Realität sieht es nicht ganz so rosig aus. Insbesondere auf dem Land sind viele Frauen von ihren Männern völlig abhängig. So manche anatolische Hausfrau hat jedoch mehr Macht, als man auf den ersten Blick annehmen sollte. So stellte sich bei einer Kundenbefragung für einen westeuropäischen Baumarkt in der Türkei Erstaunliches heraus: In Europa entscheiden mehrheitlich die Männer, welche Werkzeuge, Farben und Maschinen gekauft werden. In der Türkei sind es die Frauen.

... sind gegelt (Junge) oder tragen Bart (Alte)
Richtig ist, dass die meisten Türken sehr viel Wert auf eine gepflegte Frisur legen. Wildwuchs gilt gemeinhin nicht als schick, langes Haar bei Männern ist auch heute noch ein offenes Zeichen für Widerstand, für Unangepasstheit, und ist deshalb besonders häufig bei jungen Linken zu sehen. Haargel wird von vielen jungen Türken gerne benutzt, in den Supermärkten gibt es ganze Regale mit den verschiedensten Produkten. Allerdings scheint das Gel bei jungen Türken in Deutschland noch verbreiteter zu sein als bei ihren Altersgenossen in der Türkei selbst. Thomas Seibert, Istanbul

 

Und was denken die Türken über die Deutschen?

Aus türkischer Sicht sind die Deutschen fleißig, meistens nett, aber insgesamt merkwürdig ernst und streng. Türkischen Besuchern in der Bundesrepublik fallen Ordnung und Sauberkeit in deutschen Städten auf. Und sie wundern sich darüber, dass sich auf deutschen Straßen fast alle Autofahrer an die Verkehrsregeln halten – wovon in der Türkei keine Rede sein kann.

Thomas Seibert, Istanbul


Frankreich - Franzosen

... sind genussfreudig, denken also nur an Sex und Essen
Der kultivierte Franzose liebt die Gaumenfreude, nie die bloße Völlerei, schon gar nicht den sinnlosen Rausch. Auffallend: Während Monsieur oft ausgiebig probiert, isst sich Madame am Salatblättchen schlank. Und nach dem Dessert? Nun, laut Umfragen machen die Franzosen tatsächlich häufiger Liebe als ihre Nachbarn.

 ... sind arrogant
Das Trauma vieler Touristen – besonders in Paris. Ständig treffen sie auf arrogante Kellner und unfreundliche Taxifahrer. Tja, der stolze „citoyen“ hasst eben die Dienerpose. Bei 75 Millionen Touris-ten eigentlich geschäftsschädigend. Selbst „France Soir“ titelte neulich: „Les Français pas sympas“ (Die unsympathischen Franzosen).

... können nur Französisch und wollen auch nur Französisch können
Die Franzosen sind verliebt in ihre eigene Sprache. Fremdwörter haben keine Chance. Mangelndes Inte-resse an anderen Sprachen hat auch geografische Gründe. Ihr Land ist so schön, dass sie die Ferien am liebsten daheim verbringen. Angesichts fortschreitender Globalisierung reift aber die Erkenntnis, dass an Englisch kein Weg vorbeiführt. Und Deutsch? Gilt als viel zu kompliziert.

 ... halten sich immer noch für eine Großmacht
Bei der traditionellen Militärparade am Nationalfeiertag 14. Juli lebt die „Grande Nation“ wieder auf: Schwere Panzer rasseln übers Pflas-ter und Düsenjäger werfen die Trikolore an den Himmel. Fakt aber ist: Mit der Rückkehr in die militärische Struktur der Nato hat die Atom-macht Frankreich eingeräumt, nicht mehr als eine passable Mittelmacht zu sein.

... tun sehr lässig, sind aber furchtbar kompliziert

Das angeblich so rauschende „Leben-wie-Gott-in-Frankreich“ hat seine Schattenseiten. Dem Soziologen Eric Marin zufolge leidet die sehr hierarchisch strukturierte französische Gesellschaft nicht unter einem sozialen Abstieg, sondern unter der Angst vor eben diesem Ab-stieg. Bezeichnend für den kollektiven Stress am Arbeitsplatz und anderswo: In Paris gibt’s fast genau so viele Apotheken wie Bäckereien.

Und was denken die Franzosen über die Deutschen?

Während daheim Schuldenberg und Arbeitslosenquote steigen, schwärmen die Franzosen immer häufiger vom „modèle allemand“. Doch Vorsicht! Bei allen Lobliedern auf die deutsch-französische Freundschaft und die Achse Berlin–Paris: Unterschwellig befürchten die Franzosen immer noch, vom wuseligen 80-Millionen-Volk „d’outre-rhin“ wirtschaftlich an die Wand gedrückt zu werden.

Franzosen finden nur selten den Weg über den Rhein. Wer jedoch die In-Metropole Berlin mit eigenen Augen erlebt hat, ist meistens hingerissen. Erfreulich: Immer mehr Franzosen nehmen ihre Nachbarn als ganze normale Nation wahr. Und bei der Fußball-WM drückten uns viele sogar die Daumen. Merci!

Gerd Niewerth, Paris


(Aus: Stuttgarter Nachrichten - 24. Juli und 31. Juli 2010




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